Ich durfte eine wunderbare Frau im Hospiz Louise in Heidelberg kennenlernen. Ich kam mit dem Anliegen, eine Person zu finden, die mir über ihr Leben erzählt, damit ich daraus eine Trauerrede für meine Ausbildung als Trauerrednerin formulieren kann. Ihre Antwort lautete: „Warum möchten Sie Trauerrednerin werden? Gabs nichts anderes auf der Straße?“

Lektüre im Hospiz
Lektüre im Hospiz

Ich mochte sie auf Anhieb. Sie lehrte mich, dass wir jeden kleinen Teil des Körpers lieb haben. Und man erfährt es erst, wenn sich dieser Teil verabschiedet. Heute ein Zahn und morgen ein Zehnagel. Sie legte mir Hermann Hesse vor: „Man stirbt ja so verflucht langsam und stückchenweise. Jeder Zahn, Muskel und Knochen nimmt extra Abschied, als sei man mit ihm besonders gut gestanden.“


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